15.02.2010 MAZ: Hauptsache ein Satz
von Ronny Müller - www.maerkischeallgemeine.de
Volleyball Der SC Potsdam unterliegt dem 1. VC Wiesbaden mit 1:3
Michael Merten wirkte entspannt. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Dem Trainer des SC Potsdam war nicht anzusehen, dass die SCP-Damen soeben in der Volleyball-Bundesliga eine 1:3 (26:24, 11:25, 17:25, 18:25)-Niederlage gegen den klaren Favoriten 1. VC Wiesbaden kassiert haben. Merten freute sich gestern Nachmittag vielmehr über den Erfolg im ersten Satz. Da sei seine Mannschaft noch von der Euphorie des ersten Auswärtssieges der Saison am Mittwoch in Sinsheim getragen worden, so Merten.
„Das darf uns nicht passieren“, sagte indes Wiesbadens Josephine Dörfler über den ersten Satz. „Wir dürfen Potsdam gar nicht so ins Spiel kommen lassen.“ Doch vor 600 Zuschauern in der Sporthalle Heinrich-Mann-Allee erkämpften sich die Gastgeberinnen den ersten Satz mit 26:24.
Die Diagonalspielerin Dörfler lernte einst in Potsdam das Volleyball-Abc, ging mit 14 Jahren zum VC Olympia Berlin und schloss sich über weitere Stationen im vergangenen Jahr dem VCW an. Dort seien die Bedingungen super, so die 22 Jahre alte Dörfler, deren Schwester Patricia beim SCP II spielt. „Und wir haben eine richtig gute Trainerin.“
Xiaojun Yang, die 1984 in Los Angeles mit China Olympiasiegerin wurde, hat in der hessischen Landeshauptstadt seit 2008 etwas aufgebaut. Der VCW, der im Sommer zahlreiche Neuzugänge verzeichnete, steht überraschend an der Spitze. „Ich hoffe, dass wir um die Meisterschaft mitspielen können“, sagte Xiaojun Yang. „Aber dafür muss das Team noch besser zusammenwachsen.“
Für Potsdams Coach Michael Merten sind die Wiesbadenerinnen, bei denen die zweite Ex-Potsdamerin Steffi Lehmann wegen einer anstehenden Knieoperation kaum zum Zug kam, auf jeden Fall ein Titelkandidat. „Nach dieser Leistung traue ich ihnen das zu. Sie haben eine unglaubliche Qualität, das ist nicht unsere Preisklasse.“
Um vielleicht doch eine kleine Chance zu haben, hatte Merten seine Taktik auf Josephine Dörfler zugeschnitten. „Wir wollten auf sie aufschlagen und sie dadurch zu Fehlern zwingen. Aber das ging nicht auf.“ Das lag aber weniger an den Potsdamer Angaben, sondern vielmehr an der technischen Stärke der Ex-Potsdamerin. Merten: „Josephine hat gut angenommen. Sie hat trotz ihrer Größe von 1,93 Metern eine gute Koordination und eine hohe Ballsicherheit.“ Auch Josephine Dörflers frühere Teamkameradin Anika Zülow war überrascht. „Ich bin erstaunt, wie gut sich Josephine entwickelt hat.“
Dörfler ragte in den Sätzen zwei bis vier aus ihrer Mannschaft heraus. Wiesbaden dominierte, lief keinerzeit Gefahr, noch einen Satz abzugeben. „Dabei haben wir gar nicht so viele Fehler gemacht“, sagte Merten. Womit er die Stärke des Kontrahenten unterstrich. Hinzu kamen personelle Probleme beim SCP. Merten verzeichnete in der Woche sechs grippekranke Spielerinnen. Zudem musste der Trainer weitgehend auf Mannschaftskapitän Sandra Landvoigt verzichten. Die Mittelblockerin kam wegen Knieproblemen nur sporadisch zum Einsatz. Potsdam musste wegen der Rückstände immer mehr Risiko eingehen – und verlor. „Wiesbaden hat uns kaum eine Chance gegeben und verdient gewonnen“, so Merten.

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